Welche Rolle spielt Dryback beim Anbau von Cannabis?

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Lange Zeit ließ sich die goldene Regel des Gießens in einem Satz zusammenfassen: „Gießen, wenn der Topf leicht ist“. Heute sprechen die erfahrensten Züchter von „Dryback“, einem Begriff, der aus dem professionellen Gewächshausanbau stammt.

Der Dryback bezeichnet die Wassermenge, die das Substrat zwischen zwei Bewässerungen verliert. Dies ist keineswegs nur ein nebensächliches Detail, sondern beeinflusst die Gesundheit der Wurzeln, die Nährstoffaufnahme und sogar die Art und Weise, wie die Pflanze ihre Energie zwischen Blättern und Blüten verteilt. Richtig gesteuert, ist dies einer der wirksamsten Hebel zur Steuerung eines Anbaus.

Was ist Dryback?

Unter „Dryback“ versteht man den Rückgang des Wassergehalts im Substrat zwischen zwei Bewässerungen oder über Nacht. Um diesen zu messen, wird der volumetrische Wassergehalt, oft mit VWC (Volumetric Water Content) abgekürzt, herangezogen: der prozentuale Anteil des Substratvolumens, der von Wasser eingenommen wird.

Die Berechnung ist einfach. Wenn der Substratfeuchtigkeitsgehalt unmittelbar nach der Bewässerung bei 80 % des VWC liegt und vor der nächsten Bewässerung auf 60 % sinkt, beträgt der Dryback 20 % (AROYA).

Bitte beachten Sie, dass es zwei verschiedene Berechnungsmethoden gibt:

  • Die einfache Methode: Man zieht einfach die beiden Werte voneinander ab. Bei einem VWC von 50 % bis 20 % beträgt der Dryback 30 %.
  • Die relative Methode: Der Verlust wird als Prozentsatz des maximalen Wassergehalts angegeben. Bei einem Rückgang von 50 % auf 20 % sind 60 % des verfügbaren Wassers verloren gegangen.

Beide Ansätze sind gültig, führen jedoch zu sehr unterschiedlichen Zahlen. Bevor Sie einer Empfehlung folgen, sollten Sie immer prüfen, um welche Methode es sich handelt.

Warum Dryback so wichtig ist

Ein ständig durchnässtes Substrat ist für die Pflanze keine Wohltat. Indem das Substrat teilweise austrocknen kann, erfüllt das „Dryback“-Verfahren mehrere wichtige Funktionen.

  • Es versorgt die Wurzeln mit Sauerstoff. Wenn das Wasser abfließt, füllt Luft die Poren des Substrats wieder auf. Die Wurzeln können besser atmen, was ihr Wachstum und ihre Aktivität anregt.
  • Es regt die Wurzeln dazu an, sich auszubreiten. Ein leicht trockenes Substrat regt das Wurzelsystem dazu an, sich zu verzweigen, um Wasser zu finden, was zu einem dichteren und leistungsfähigeren Wurzelballen führt.
  • Es verbessert die Nährstoffaufnahme. Ein regelmäßiger Wechsel zwischen Bewässerung und Trocknung fördert den Austausch der Nährlösung im Wurzelbereich.
  • Es beugt Krankheiten vor. Übermäßige Feuchtigkeit begünstigt Wurzelfäule, Pilzbefall und Erdefliegen.
  • Er dient der Pflanze als Signal. Das ist seine subtilste Funktion: Je nach Ausmaß des Drybacks lenkt die Pflanze ihre Energie entweder in das Laub oder in die Blüten.
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Umgekehrt führt eine zu starke Trockenheit zu übermäßigem Stress: Welken, Salzansammlung im Substrat und Verbrennungen an den Wurzeln.

Verschiedene Aspekte des Dryback

Dryback und Crop Steering: Die Pflanze lenken

Das Crop Steering, auch „Pflanzensteuerung“ genannt, besteht darin, die Pflanze durch die Regulierung der Feuchtigkeit und des Salzgehalts (EC) des Substrats entweder auf vegetatives Wachstum (Blätter und Stängel) oder auf generatives Wachstum (Blüten und Harz) auszurichten. Der Dryback ist dabei der wichtigste Hebel: Schwache und regelmäßige Drybacks begünstigen das vegetative Wachstum, stärkere Drybacks fördern die Blüte (Hydrobuilder).

Vegetative AusrichtungGenerative Ausrichtung
ZielLaub, Pflanzenstruktur, Stängel und Volumen der Blütenköpfe fördernDie Bildung von Blütenständen, Harz und Aromen fördern
DrybackGering und gleichmäßigNoch wichtiger, vor allem nachts
WassergehaltHöherNiedriger
EC-Wert des SubstratsNiedrigerHöher
BewässerungenBeginnen früh, sind gering und treten häufig aufSie fangen später an, sind weniger zahlreich und essen mehr

Eine klassische Strategie wechselt je nach Anbaustufe zwischen beiden Ansätzen. In der Wachstumsphase konzentriert man sich auf das vegetative Wachstum. Zu Beginn der Blüte, während der Streckphase, wechselt man zum generativen Wachstum, um das Strecken zu begrenzen und die Anzahl der Blütenstände zu erhöhen. Während der Blütenentwicklung kehrt man oft zu einer eher vegetativen Ausrichtung zurück, um das Volumenwachstum zu fördern (Dankum).

Die vier Phasen eines Bewässerungstages

Beim Crop Steering gliedert sich der Bewässerungstag in vier Phasen, die mit P0 bis P3 bezeichnet werden (Randy Wintle).

PhaseMomentWas gerade passiert
P0Beleuchtung der Lampen bis zur ersten BewässerungDie Pflanze beginnt wieder zu schwitzen, und das Substrat trocknet weiter aus
P1Die ersten Bewässerungen des TagesDurch das schrittweise Hinzufügen kleiner Mengen wird die maximale Wasserhaltekapazität des Substrats wiederhergestellt, bis es zu einer Entwässerung kommt.
P2Verbleibende BeleuchtungsdauerRegelmäßige Bewässerung sorgt für einen gleichbleibenden Wassergehalt und verhindert, dass der Boden im Laufe des Tages austrocknet
P3Von der letzten Bewässerung bis zum erneuten EinschaltenDas nächtliche Dryback-Sprühen – einer der wirksamsten Hebel beim Crop Steering

Der nächtliche Dryback ist besonders entscheidend. Ist er stärker ausgeprägt, lenkt er die Pflanze in Richtung Blüte; ist er schwächer, sorgt er für ein anhaltendes vegetatives Wachstum. Als Richtwert wird für eine vegetative Ausrichtung in Steinwolle (Hydrobuilder) ein nächtlicher Dryback von etwa 5 bis 8 % angegeben.

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Den Dryback messen und steuern

Ohne Messungen geht es nicht. Dem Landwirt stehen zwei Hauptmethoden zur Verfügung.

Das Wiegen der Töpfe. Das ist die einfachste Methode: Man wiegt den Topf direkt nach dem Gießen und dann vor dem nächsten Gießen. Die Gewichtsdifferenz entspricht der Wassermenge, die verloren gegangen ist. Diese Methode ist einfach und kostengünstig, liefert zwar nur ungefähre Werte, reicht für den Hobbygärtner aber völlig aus.

Substratsensoren. Sie werden in den Topf oder den Anzuchtblock gesteckt und messen kontinuierlich den Wassergehalt und oft auch den EC-Wert. Mit ihnen lässt sich der Dryback stündlich genau überwachen und die Bewässerung automatisieren. Sie sind das Standardwerkzeug im professionellen Anbau.

Anbautechniker, der Datenanalysen zum Dryback durchführt

Das Verhalten des Drybacks hängt auch stark vom Untergrund ab:

SubstratReaktionsfähigkeitSteuerung des Dryback-Verfahrens
SteinwolleInert und sehr reaktivSehr präzise, ideal für kurze und häufige Bewässerungen
KokosfaserJe stärker die Schwellung, desto langsamer die ReaktionPräzise, aber es dauert länger, bis sich die Anpassungen bemerkbar machen
Erde und BlumenerdeHohe Retention, langsame ReaktionEtwas grober: Man geht dabei vor allem von Bewässerungs- und Trocknungszyklen aus

Als Richtwert gilt, dass professionelle Programme mit vegetativer Ausrichtung tagsüber häufig einen Wassergehalt von 60 bis 75 % bei Steinwolle und von 55 bis 70 % bei Kokosfasern anstreben (Hydrobuilder). Diese Werte variieren je nach Material, Klima und Sorte: Wichtig ist, eher den Trend zu beobachten, als einen festen Wert anzustreben. Es ist von grundlegender Bedeutung, sowohl die Wechselwirkungen als auch die Entwicklung dieser Werte in Ihrer Cannabiskultur mit feminisierten Samen höchster Qualität, um Ihre Anbauparameter insgesamt optimal anzupassen.

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Fehler, die man vermeiden sollte

  • Aus Gewohnheit gießen. Wenn man jeden Tag zur gleichen Zeit gießt, ohne den tatsächlichen Trocknungsgrad zu berücksichtigen, verhindert dies jeglichen „Dryback“ und führt zu einer Erstickung der Wurzeln.
  • Das Trocknen zu weit treiben. Übermäßiger Wasserstress lässt die Pflanze welken, führt zu einer Anreicherung von Salzen im Substrat und kann die Wurzeln verbrennen.
  • Einen abrupten Strategiewechsel vornehmen. Der plötzliche Wechsel von leichten Trockenphasen zu sehr ausgeprägten Trockenphasen stellt für die Pflanze einen Schock dar. Anpassungen müssen schrittweise erfolgen.
  • Berechnungsmethoden verwechseln. Ein Dryback von 30 % in absoluten Werten hat nichts mit 30 % in relativen Werten zu tun.
  • Die Umgebungsbedingungen außer Acht lassen. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtintensität beeinflussen die Schweißbildung und damit die Trocknungsgeschwindigkeit. Die gleiche Strategie führt im Sommer und im Winter nicht zum gleichen Trocknungsergebnis.
  • Übernehmen Sie die Zahlen, ohne sie anzupassen. Die veröffentlichten Werte dienen als Anhaltspunkte, nicht als feste Regeln. Jedes Substrat, jede Anlage und jede Sorte reagiert anders.

Fazit

Beim Dryback geht es um weit mehr als nur um das Gießen. Indem man das Substrat zwischen zwei Bewässerungen atmen lässt, bleiben die Wurzeln gesund, die Nährstoffaufnahme wird verbessert und in erfahrenen Händen wird diese Methode zu einem echten Werkzeug, um das Wachstum der Pflanze gezielt entweder in Richtung vegetatives Wachstum oder in Richtung Blüte zu lenken.

Man muss sich jedoch nicht wie ein Profi ausstatten, um davon zu profitieren. Es reicht bereits aus, die Töpfe zu wiegen, die Pflanzen zu beobachten und nach und nach Anpassungen vorzunehmen, um einen echten Unterschied zu bewirken. Sensoren und Automatisierung kommen erst später ins Spiel – für diejenigen, die technisch noch einen Schritt weiter gehen möchten.

Hinweis: Der Anbau von THC-haltigem Cannabis ist in Frankreich und in vielen anderen Ländern verboten. Dieser Artikel dient lediglich zu Informationszwecken; informieren Sie sich bitte über die geltenden gesetzlichen Bestimmungen an Ihrem Wohnort.

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